Tagung: Dezentrales Gedenken. Stolpersteine, lokale Geschichtsprojekte und digitales Erinnern

Tagungsbild © Aktionsbündnis

Am 11. Dezember 2021 veranstaltet das Aktionsbündnis Brandenburg gemeinsam mit dem Landesjugendring Brandenburg und in Kooperation mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten eine Tagung in Potsdam und online. Dezentrales Gedenken. Stolpersteine, lokale Geschichtsprojekte und digitales Erinnern

Stolpersteine sind ein internationales Denkmal- und Kunstprojekt. 1992 von dem Künstler Gunter Demnig initiiert, wurden bisher über 70.000 Steine in 21 Ländern verlegt. Hier in Brandenburg wurden in den letzten 29 Jahren über 1.000 dieser Steine verlegt – durch das Engagement vieler verschiedenen Initiativen vor Ort. Wir haben die im Land verlegten Stolpersteine in einer Datenbank gesammelt und diese Daten im letzten Jahr über die Website Stolpersteine Brandenburg für alle zugänglich gemacht. Präsentiert wurde die Seite im Rahmen der Online-Tagung „Gegen das Vergessen. Stolpersteine und andere Erinnerungsorte in Brandenburg“.

Am 11. Dezember 2021 wollen wir gemeinsam mit dem Landesjugendring Brandenburg sowie in Kooperation mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte das Thema mit einer weiteren Tagung vertiefen.

Die Schwerpunkte liegen in diesem Jahr auf der Vernetzung von Initiativen und Institutionen wie zu Beispiel Archiven, der Vermittlung von praktischem Wissen aus den Bereichen der Archiv- und Recherchearbeit sowie dem dezentralen und digitalen Gedenken. Neben dem Blick auf die Betroffenen und Opfer, wollen wir uns auch mit der Arbeit zu NS-Täter_innen und der Situation im Land Brandenburg in der unmittelbaren Nachkriegszeit beschäftigen. Entstanden ist ein vielseitiges Programm – online, offline und hybrid. Die Eröffnung und der Abschluss finden vor Ort statt und werden zusätzlich online gestreamt. Darüber hinaus gibt es zwei Workshops in Präsenz und vier Workshops online – wer vor Ort ist, kann nicht an den Online-Workshops teilnehmen und umgekehrt. Auf dieser Website finden Sie aktuelle Informationen, auch für den Fall, dass das Infektionsgeschehen zu Änderungen im Programm führen sollte.

Programm

10 Uhr Anmeldung für die Teilnahme vor Ort im Haus der Brandenburgisch-Preußischen, Potsdam

11 Uhr Begrüßung mit Online-Stream

11.20 Uhr Eröffnungsvortrag zu den politischen Herausforderungen der Erinnerungs- und Gedenkarbeit, MIriam Rürup (Moses Mendelssohn Zentrum) | mit Online-Stream Moderation: Melanie Ebell (Landesjugendring Brandenburg e.V.)

12.30 Uhr Offenes Buffet und Markt der Möglichkeiten

14 Uhr Workshopphase

Präsenz-Workshops:

Workshop 1: Erinnerung ins Bewusstsein holen und NS-Geschichte vor Ort vermitteln. Wir stellen den Projektansatz der „lokalen Jugendgeschichtsarbeit“ als besonderes Format der historisch-politischen Bildungsarbeit vor – eine Kombination der Methode der historischen Projektarbeit mit der des Explorativen Lernens und den Prinzipien der außerschulischen Jugendbildung. Landesjugendring Brandenburg/Zeitwerk

Workshop 2: Digitales Recherchieren und Gedenken. Wie und wo kann man zu der Geschichte von Betroffenen und Opfern im NS recherchieren? Welche Möglichkeiten bieten die Arolsen Archives? Wie kann digitales und dezentrales Gedenken aussehen? Arolsen Archives und Every Name Counts

Online-Workshops:

Workshop 3: Wie recherchiert man die Beteiligung von Familienmitgliedern am Nationalsozialismus? Anekdoten über den Onkel bei der Wehrmacht und Sätze wie „Oma war immer gegen Hitler“ kennen wir alle. Die Zeit ist günstig, tradierten Familienlegenden auf den Grund zu gehen. Der Workshop will Menschen anregen, sich mit der NS-Vergangenheit der eigenen Familie auseinander zu setzen. NS-Familien-Geschichte e.V.

Workshop 4: Bruchstücke’45: Online-Tour durch die Ausstellung. Wir laden Sie zu einem geführten Rundgang durch die Online Ausstellung ein. Entdecken Sie anhand der Führung die Geschichten hinter ausgewählten BRUCHSTÜCKEN. Wir geben Ihnen einen ersten Einblick in das, was 1945 in Brandenburg geschieht. Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Workshop 5: Bruchstücke’45: Workshop. Dieser Workshop befasst sich intensiv mit einzelnen Ausstellungsteilen und lädt zur vertiefenden Arbeit mit ihnen ein. Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

17 Uhr Abschlusskommentar Andreas Genest (Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück) mit Online-Stream

17.30 Uhr Ende

Hygienekonzept: Wir richten die Veranstaltung vor Ort in 3G aus. Bei der konkreten Umsetzung halten wir uns an die Vorgaben des Hauses.

Anmeldung Präsenz

Anmeldung Online

Ausgeschlossen von der Veranstaltung sind Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind. Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und diesen Personen den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser zu verweisen.

Stolpersteine in Brandenburg

Stolpersteine Velten © - Emanuel Neumann

Beim Gang über die Straßen sind sie kaum zu übersehen: Stolpersteine. Sie erinnern an all jene, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Am letzten frei gewählten Wohnort machen sie tagtäglich auf das Schicksal der Verfolgten aufmerksam.

Der Künstler Gunter Demnig hat das Stolperstein-Projekt im Jahr 1992 ins Leben gerufen und damit das weltweit größte dezentrale Mahnmal mit über 80.000 Steinen geschaffen. Inzwischen erinnern in manchen Ländern Adaptionen der Stolpersteine auch an politische Verfolgung und Gewalt, die nicht durch den Nationalsozialismus verursacht wurde. In der Bundesrepublik und in den von Deutschland in den Jahren 1939 bis 1945 besetzten Gebieten in Europa ist die nationalsozialistische Gewaltherrschaft aber weiterhin der zentrale Bezugspunkt. Ein Stolperstein ist ein Betonquader mit einer Messingplatte, der in den Gehweg eingelassen wird. Die Steine werden in Handarbeit vom Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer in Berlin-Pankow hergestellt. Auf der Messingplatte stehen die Namen, die Lebensdaten und die Orte, an die die Menschen deportiert wurden oder an die sie geflohen sind.

In Brandenburg wurden bis 2020 rund 1.000 dieser dezentralen Mahnmale verlegt. Sie mahnen im Stadtbild an die Verbrechen des Nationalsozialismus und halten die Erinnerung an die Verfolgten wach. Auf Initiative des landesweiten Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ist diese Website entstanden. Sie begleitet das Stolperstein-Projekt in Brandenburg und zeigt, wo die Steine zu finden sind. Es gibt Orte, in denen Dank des lokalen Engagements bereits für all jene, die fliehen mussten oder ermordet wurden, ein Stein verlegt wurde. Dennoch gibt es auch Gemeinden, in denen noch niemand die oft aufwendige Recherche angegangen ist. Hier braucht es Engagierte, um die Geschichte sichtbar zu machen. Von einem Teil der Stolpersteine in Brandenburg fehlen noch Fotos, zum Teil auch weitere Angaben. Helfen Sie bitte mit, diese zu vervollständigen, und senden Sie uns Fotos.

Stolpersteine finden

Diese Website stellt auf Grundlage einer Datenbank eine Karte mit Informationen über die in Brandenburg verlegten Stolpersteine und die Schicksale der verfolgten Menschen zur Verfügung.

Stolpersteine-Karte

Übersetzungen

Beiträge

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