Jüdisches Leben in Brandenburg - Das Beispiel Potsdam

17. Jahrhundert: David Michael, der erste Schutzjude in Potsdam

Die Juden und Jüdinnen in Preußen, und damit auch in der Mark Brandenburg, wurden lange Zeit nur geduldet. Das Recht der Niederlassung blieb ihnen ab 1573 verwehrt. Erst seit 1671, mit dem Erlass des Ediktes des “Großen Kurfürsten” Friedrich Wilhelm von Brandenburg, durften Juden überhaupt wieder in Preußen siedeln. Die, unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges, leidende Mark Brandenburg, hoffte auf wirtschaftlichen Aufschwung durch die jüdische Ansiedlung. Um diese Zeit beginnt auch die Geschichte der Juden und Jüdinnen in Potsdam.

Der erste im Potsdamer Stadtbuch verzeichnete Jude, der sich mit seiner Familie in Potsdam niedergelassen hat, war der Schutzjude David Michael. Aus Altersgründen holte er seinen Schwiegersohn Jacob Moyses samt Familie von Wriezen a. d. Oder nach Potsdam. In der Hoffnung auf erfolgreiche Geschäfte, ging David Michael nach Berlin, wo er aber auch wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgesetzt war. Laut kurfürstlichem Dekret von 1695, war Moyses der einzige Jude in Potsdam und damit bevorrechtigt. Da “nicht zwei Juden gleichzeitig nebeneinander bestehen könnten”, konnte David Michael nicht nach Potsdam zurückkehren. 

18. Jahrhundert: Die erste Potsdamer Synagoge

Das Generaljudenreglement von 1730, erlassen durch Friedrich Wilhelm I., bot den Juden neben einigen Einschränkungen, bessere Möglichkeiten für Geld- und Kredithandel, sowie Manufaktur-Neugründungen. Der Beginn des jüdischen Gemeindelebens verbindet sich mit diesem Aufschwung der Textilindustrie in Potsdam. Angefangen mit dem Samt- und Seidenfabrikanten David Hirsch, welcher ab dem 17. Januar 1731 in Potsdam ansässig war, kamen immer mehr jüdische Unternehmer mit ihren Familien nach Potsdam. 

Die Gemeindegründung wird um 1740 vermutet, dafür sollen sich in dieser Zeit mindestens zehn jüdische Männer versammelt haben. Ein belegbares Gründungsdatum gibt es allerdings nicht. Die sich entwickelnde Gemeinde konnte ihre Toten ab dem 28. Oktober 1743 auf einem eigenen Friedhof, am heutigen Pfingstberg beerdigen. Zuvor mussten die Verstorbenen in Berlin, oder in einem bekannten Fall in Beelitz, beerdigt werden.

1760 hatte die Gemeinde ihren ersten eigenen Rabbiner. Der aus Polen stammende Jechiel Michel (auch: Michel Hirsch), wird erstmals anlässlich einer jüdischen Trauung erwähnt. Die Gottesdienste fanden zu dieser Zeit in einem Privathaus in der Kleinen Jägerstraße (heute: Wilhelm-Staab-Straße) statt. Die Gemeinde richtete eine Mikwe ein und stellte eine Badefrau, einen Gemeinde-Lohndiener und einen Totengräber an. In Erinnerung an das erste Gemeindehaus in der Plantagen Quergasse, wurde die Straße 1786 in “Ebräerstraße” umbenannt. Wenige Jahre später konnte die Gemeinde ihren ersten eigenen Synagogen-Neubau an der Plantage 1 (heute: Platz der Einheit) eröffnen. Die Eröffnung fand am 18. Dezember 1767 in Anwesenheit des Prinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm II., und der Prinzessin von Preußen statt. Zur Eröffnung hatte die Potsdamer Gemeinde etwa 170 Mitglieder, darunter 34 Männer, 36 Frauen, sowie Kinder. Damit waren ca. 1% der Potsdamer Gesamtbevölkerung jüdisch.

Der Rabbiner Jechiel Michel starb 1777, danach hatte die Gemeinde lange Zeit keinen gewählten Rabbiner und musste mit Vertretungen und Unterstützung aus Berlin auskommen. Auch die Synagoge machte der Gemeinde, wegen baulicher Mängel, Probleme und musste deswegen ab 1795 umgebaut werden. Der neue, frühklassizistische Bau konnte im September 1802 eingeweiht werden und wurde mit Baugelder von König Friedrich Wilhelm II. unterstützt. Als Dank brachte die Gemeinde über dem Aron haKodesh den preußischen Adler mit den Initialen “FWR” an.

Das 1812 erlassene Edikt machte die Juden zu preußischen Staatsbürgern, damit einhergehend wurden die Juden aufgefordert Familiennamen anzunehmen. Eine im Amtsblatt veröffentlichte Liste von 1814 gibt Auskunft, dass der Gemeinde 70 Familien mit etwa 300 Personen angehörten.

Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Gründung der “Synagogengemeinde Potsdam”

Das Gesetz über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 forderte die Juden zur Gründung von Synagogengemeinden auf. Die Gemeinde erhielt daraufhin 1850 Korporationsrechte, welche ihr erlaubten als juristische Person z.B. in Verträge einzutreten und Eigentum zu erwerben. Bis dahin hatte die Gemeinde den Status einer “erlaubten Gesellschaft”.

1851 wählte die Gemeinde mit Dr. Samuel Apolant nach über 50 Jahren wieder einen eigenen Rabbiner. Er stellte die religiöse Einheitlichkeit in der Gemeinde wieder her und machte die “Potsdamer Synagogengemeinde” zu einer liberal geführten Gemeinde. Rabbiner Apolant schuf eine moderne Gemeindeorganisation. 1851 wurde ein jüdischer Frauenverein gegründet, dessen Aufgabe die Betreuung von Wöchnerinnen, Witwen und Waisen war. Am 20. Dezember 1855 wurde eine Chewra Kadischa gegründet. Die Beerdigungsgesellschaft ist für Wohltätigkeit, Krankenfürsorge und ehrenvolle Bestattung zuständig. Auch die unentgeltliche ärztliche Behandlung bedürftiger Gemeindemitglieder wurde durch die Gesellschaft gewährleistet. 

Rabbiner Apolant reformierte auch das jüdische Unterrichts- und Erziehungswesen, welches bisher von der freiwilligen Entscheidung der Eltern abhängig war. Er setzte durch, dass Jüdische Religion und Hebräisch im Gemeindehaus, welches sich im Vorderhaus der Synagoge befand, unterrichtet wurde.  Ab 1857 führte Rabbiner Tobias Cohn die Arbeit von Rabbiner Apolant weiter. Er war insgesamt 39 Jahre Rabbiner der Potsdamer Gemeinde. Gegen den Widerstand einer kleinen jüdisch-orthodoxen Minderheit, wurde der Kultus unter Cohn weiter reformiert und modernisiert. So wurden z.B. immer mehr Abschnitte des Gottesdienstes in deutscher Sprache gehalten. Auch die Reformen im Unterrichtswesen wurden durch Cohn fortgeführt, so erreichte er, dass Klassenzimmer in den Städtischen Schulen für den jüdischen Religionsunterricht zur Verfügung gestellt wurden und der Unterricht offiziell benotet wurde.

Gegen Ende seiner Amtszeit, 1895, lebten 477 Bürger und Bürgerinnen jüdischen Glaubens in Potsdam. Rabbiner Cohn wurde 1896 durch den Rabbiner Dr. Paul Rieger abgelöst. Dieser prägte die Gemeinde durch seine seelsorgerische Tätigkeit. Unter ihm wurden viele Vereine von und für die “Synagogengemeinde Potsdam” gegründet. Beispielsweise wurde 1899 der “Verein für jüdische Geschichte und Literatur” gegründet, dem auch Frauen als selbstständige Mitglieder angehören konnten, was für das männerdominierte Vereinsleben der damaligen Zeit noch ungewöhnlich war. In den Jahren 1891-1900 wurden Juden, welche in den umliegenden Gemeinden Drewitz, Ahrensdorf, Bornim, Werder, Ketzin, Nowawes, Neuendorf, Neubabelsberg und Kleinglienicke, der “Synagogengemeinde Potsdam” angeschlossen. Für die wachsende Gemeinde sollte die Synagoge ein drittes Mal umgebaut werden. Am 17. Juni 1903 wurde der neobarocke Entwurf, von dem Potsdamer Architekten Otto Julius Kerwien, feierlich eingeweiht. Bei der Eröffnung war der seit 1902 amtierende Rabbiner Robert Kaelter und verschiedene Ehrengäste der Stadt anwesend. Seit 1899 befand sich neben der Synagoge ein Wohn- und Gemeindehaus.

  20. Jahrhundert: Zwischen Anerkennung und Anfeindung

Der moderne, Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Antisemitismus, fand auch in Potsdam seine Anhänger. 1901 versuchte man in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung gegen die jüdisch-rituelle Schlachtmethode, das Schächten, unter Vorwand des Tierschutzes, vorzugehen.

Der Ortsgruppenvorsitzende des antisemitisch orientierten “Alldeutschen Verbandes“ in Potsdam, veröffentlichte einen Rezension über das antisemitischen Pamphlet “Die Protokolle der Weisen von Zion”, welches auf Fälschungen beruht. Sein Bericht fachte die antisemitische Stimmung in Potsdam an und es wurde, im April 1924 ein Diskussionsabend veranstaltet, um die Lage zu beruhigen.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) sorgte unter den Potsdamer Juden für Begeisterung und Tragik. Im Gedenkbuch der Stadt Potsdam und in dem des “Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten” sind insgesamt zehn gefallene Potsdamer Juden aufgeführt. Trotz dieser gesellschaftlichen Anerkennung, erstarkte auch in Potsdam der Antisemitismus.  Als Reaktion auf diese Entwicklungen, machte die jüdische Gemeinde die Jugendlichen mehr mit der jüdischen Kultur und Geschichte vertraut. Dafür wurde 1921 die Ortsgruppe Potsdam des “Jüdisch-liberalen Jugendverbandes” gegründet. 1924 und 1925 folgten eine Schüler- und eine Schülerinnengruppe.

Wie das übrige Bürgertum, waren die Potsdamer Juden und Jüdinnen größtenteils national und preußisch gesinnt. Einige von ihnen erhielten Auszeichnungen für ihre Leistungen im Ersten Weltkrieg. Die mindestens 626 Gemeindemitglieder, waren 1925 überwiegend gut in die Potsdamer Mehrheitsgesellschaft integriert. Zum Beispiel war der Getreidegroßhändler Julius Zielenziger für die Demokratische Partei im Potsdamer Stadtrat, außerdem war er Ehrenmitglied der Potsdamer Kaufmannschaft und Alterspräsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Auch der Justizrat Raphael Josephson war als Vorsitzender der Anwaltskammer, als Stadtverordneter und langjähriger Vorsitzender der Synagogengemeinde ein etablierter Teil der Potsdamer Bevölkerung. Umso härter und unerwartet traf die Potsdamer Juden und Jüdinnen die sogenannte “Machtübernahme” der Nationalsozialisten am 31. Januar 1933. Schon im Juni 1933 war der Potsdamer Rechtsanwalt und Sozialdemokrat Dr. Ludwig Levy, einer der ersten Inhaftierten im Konzentrationslager Oranienburg. Er wurde am 24. Juli entlassen und später erneut verhaftet. Nur unter der Auflage, Deutschland zu verlassen, kam er wieder frei und emigrierte mit seiner Frau nach Palästina.

In Potsdam war die jüdische Gemeinde überrascht, wie schnell und rigoros die antijüdischen Gesetze verabschiedet und durchgesetzt wurden. Der Boykott jüdischer Geschäfte wurde in der lokalen Presse als “erfolgreich und ruhig” eingeschätzt.

Die Potsdamer jüdische Gemeinde versuchte zusammenzuhalten und gründete weitere Organisationen. Es entstand eine Ortsgruppe des “Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten” (RjF) mit 30 Mitgliedern. Der Sohn des neuen Rabbiners Dr. Hermann Schreiber gründete eine Ortsgruppe des “Bundes deutsch-jüdischer Jugend” und es wurde auch eine jüdische Wandergruppe ins Leben gerufen. Als Reaktion wurde von der Staatspolizeistelle Potsdam ein “Versammlungsverbot für jüdische Organisationen” ausgesprochen. Daher musste sich die Arbeit des RjF auf die Betreuung ehemaliger Frontkämpfer beschränken. Am 11. Juli 1934 wurden die Straßenschilder der Ebräerstraße abmontiert, die Straße wurde wieder in “Kupferschmiedsgasse” rückbenannt.

Die “Nürnberger Gesetze” kamen einer Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte gleich, dadurch verschlechterte sich die Situation der Juden und Jüdinnen in Deutschland zusehends. In Potsdam veranstaltet der “Nationalsozialistische Lehrerbund” die Ausstellung “Rasse und Volk” und stärkte damit die antijüdischen Stimmungen in der Stadt. Im September 1936 wurde für Potsdam eine Liste mit nicht-arischen Unternehmen veröffentlicht, betroffen waren etwa 80 jüdische Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte. Im April 1938 mussten die Juden und Jüdinnen jedes Vermögen über 5.000 Reichsmark anmelden. Mit diesen beiden Schritten wurde die sogenannte “Arisierung” bzw. die “Entjudung der deutschen Wirtschaft” eingeleitet.

Das vorläufige Ende der Potsdamer Synagogengemeinde

Am 24. Mai 1938 starb der Gemeindevorsitzende Julius Zielenziger. Die jüdische Gemeinde wurde von James Gersmann und Max Hammerstein weitergeleitet. Wenige Monate später, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden, wie in vielen anderen deutschen Städten, auch in Potsdam die Synagoge, der Friedhof und jüdische Geschäfte, zum Ziel von Angriffen, Zerstörungen und Plünderungen.

Jüdische Männer wurden anschließend, angeblich zu ihrem “eigenen Schutz”, inhaftiert und in das sogenannte “Schutzhaftlager” bzw. Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg deportiert. Am 3. Dezember 1938 trat die Verordnung über den “Zwangsverkauf jüdischer Geschäfte, Betriebe und Grundstücke” in Kraft. Die Synagoge und das Gemeindehaus mussten an die Deutsche Reichspost verkauft werden, welche das Gebäude für den gemeinschaftlichen Rundfunk- und Fernsehempfang umfunktionierte. Laut der Bevölkerungsstatistik vom 01. Januar 1939 lebten noch 77 Juden und 98 Jüdinnen in Potsdam. Viele, vor allem junge Gemeindemitglieder, konnten Deutschland noch rechtzeitig verlassen, so auch Rabbiner Dr. Hermann Schreiber, welcher mit seiner Frau nach England flüchten konnte.

Am 30. April 1940 verliert die Synagogengemeinde ihren Status als “Körperschaft des öffentlichen Rechts” und wird zum “eingetragenen Verein” herabgestuft. Ab dem 15. September 1941 mussten auch die Potsdamer Juden und Jüdinnen den sogenannten “Judenstern” tragen. Die Gemeinde konnte sich nur noch in der Wohnung von James Gersmann, einem der damaligen Gemeindevorsitzenden, versammeln. Am 11. Januar 1942 wurden weitere 40 Gemeindemitglieder über Berlin in das zerstörte Ghetto Riga deportiert, wo sich ihre Spuren verlieren. Nachdem am 12. Januar 1942 James Gersmann starb, lebten am 6. Oktober 1942 fast alle Gemeindemitglieder in dem jüdischen Altersheim in der Bergstraße 1 (heute: Spitzweggasse) in Babelsberg. Das Heim wurde am 16. Januar 1943 von der Gestapo geräumt und die Bewohner und Bewohnerinnen in Vernichtungslager deportiert. Das letzte lebende Gemeindemitglied, Wilhelm Kann, wurde am 22. Juni 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und ermordet.

Die Synagoge wurde bei einem Bombenangriff der Alliierten am 14. April 1945 schwer getroffen. Als das Amtsgericht bis zum 6. April 1949 keine Gemeindemitglieder mehr ausfindig machen konnte, wurde “die Löschung des Vereins von Amts wegen verordnet”. 

Im Potsdamer Stadtbild weisen heute 21 Straßennamen auf ehemalige jüdische Bürger*innen hin, außerdem erinnern mittlerweile fast 30 Stolpersteine an die Schicksale der Potsdamer Juden und Jüdinnen.

  Neubeginn nach 1990

Nach der Gründung der DDR 1949 konnte sich in Potsdam keine neue Gemeinde etablieren. Weil das Staatssystem der DDR den Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde nicht förderte, entstanden beispielsweise in Ostberlin, Erfurt und wenigen anderen Städten jüdische Gemeinden.  1955 wurde die Ruine der Potsdamer Synagoge abgerissen. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an die ehemalige Synagoge. Sie wurde 1979 durch das Engagement von Theodor Goldstein an der Fassade des jetzt dort stehenden Wohnhauses angebracht. 

Ende der 80er Jahre kam es in verschiedenen Gebieten der UdSSR vermehrt zu antisemitischen Vorfällen. Viele Juden und Jüdinnen wandten sich hilfesuchend an die wenigen jüdischen Gemeinden in der DDR, mit der Bitte sich für Einreiseerlaubnisse einzusetzen. Am 12. April 1990 stimmte das Parlament der DDR der Aufnahme zu.  Am 21. März 1991 konnte schließlich die “Jüdische Gemeinde Land Brandenburg e.V.” gegründet werden. Dies bedeutete einen Neubeginn des jüdischen Lebens in Potsdam. Der Großteil der knapp 40 Mitglieder stammte aus den sogenannten GUS Staaten. Sie lebten vor allem in Potsdam, Brandenburg a. d. Havel und in einem Aufnahmelager in Ahrensfelde. 

Der erste Gottesdienst nach der Gründung der Gemeinde wurde am 29. August 1992 mit dem Rabbiner Nafthalie Grimberg und dem Religionslehrer Menachem Bar-Cohen aus Israel in Potsdam gefeiert. Am 26. November 1993 erhielt die Gemeinde, durch Unterstützung des damaligen Kulturministers Hinrich Enderlein, die Bestätigung des Status “Körperschaft des öffentlichen Rechts” (K.d.ö.R.). Das Land stellte der Gemeinde Räume in der Heinrich-Mann-Allee 103 zur Verfügung. Da die “Jüdische Gemeinde Land Brandenburg e.V.” viele Jahre den Landesverband und die Ortsgemeinde Potsdam vertrat, gründeten einige Mitglieder 1996 eine eigene Gemeinde, die “Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam”, welche allerdings erst im Jahr 2000 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Potsdam eingetragen wurde. 1999 gründete sich auch die ultra-orthodoxe “Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde Brandenburg”. Damit existierten in Potsdam zwei jüdische Gemeinden.

Losgelöst vom Potsdamer Gemeindeleben wurde 1999 das “Abraham Geiger Kolleg” an der “Universität Potsdam” gegründet. Nach der Shoah ist es das erste Institut, an dem eine Ausbildung zu Rabbinern und Rabbinerinnen, sowie zu Kantoren und Kantorinnen, absolviert werden kann. Der Lehrplan ist mit dem Studiengängen der Jüdischen Studien (seit 1994) und der Jüdischen Theologie (seit 2013 an der Uni Potsdam) verbunden. In den folgenden Jahren wuchsen die Gemeinden beständig, sodass es mittlerweile vier jüdisch-orthodoxe Gemeinden in Potsdam gibt: die “Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam” (2016: 414 Mitglieder), die “Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde Brandenburg” (nach eigenen Angaben im Jahr 2000: 70 Mitglieder), die “Synagogengemeinde Potsdam” (2016: 210 Mitglieder) und die “Mitzwa Gemeinde”. Die “Synagogengemeinde Potsdam” hatte sich in der Debatte um die neue Potsdamer Synagoge von der “Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam” entfernt und abgespalten. Es gibt ebenfalls eine liberale jüdische Gemeinde: die “Studierenden- und Hochschulgemeinde Beth Hillel Potsdam”. 

Für die jüdische Bevölkerung in Potsdam gibt es aber immer noch keine eigene Synagoge und Mikwe. Pläne für eine eigene Synagoge in Potsdam gibt es seit 1995, allerdings wurden die Pläne für die Synagoge und das Gemeindezentrum am Neuendorfer Anger, 1998 wieder verworfen. Seit 2005 hat sich die brandenburgische Landesregierung mit einem Staatsvertrag dazu verpflichtet, den Neubau einer Synagoge in der Landeshauptstadt zu fördern und finanziell zu unterstützen. Nach jahrelangen Diskussionen, um den Entwurf und das Raumkonzept der zukünftigen Synagoge, haben sich die “Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam” und die “Synagogengemeinde Potsdam” 2016 wieder angenähert. 

Jetzt wollen die Gemeinden den Bau an der Schloßstraße 1 selbst in die Hand nehmen und konnten sich auf ein gemeinsames Raumkonzept verständigen. Sie gründeten 2016 den “Israelitischen Kultusgemeindenbund”, eine Vorstufe zur geplanten Potsdamer Großgemeinde.